Krön & Vollkorn - Text von Anna Klasz
Markus Krön (von Detti Vollkorn)
Furcht und Schrecken des Alpenvorlandes,
Wolfgang Schneider,
Beatrix Zobl, 1999
aus dem Katalog von 2009:
Da ich mich überreden ließ gegen Bezahlung einen Text über die Arbeit meiner Eltern zu schreiben, versuche ich zusammenzufassen was ich in letzter Zeit so mitbekommen habe. Bitte beachtet meine Lage als Vierzehnjährige, die nicht immer versteht, warum ihre Eltern so viel Zeit damit verbringen gelbe Häuser, Lagerschuppen und alte, zahnlose Bauern zu malen. Aber da Kunst ja bekanntlich alles ist, was man mit „Kunst“ bezeichnet, lässt sich darüber nicht streiten. Ach ja; Mein geliebter Vater erwähnte gerade, dass er diesen Text, wenn er gut wird von seiner Tante Medga ins Englische übersetzten lassen wird. Als ich ihn fragte: „Wozu bitte?“, sagte er: „Für die Welt! Für England und New York“. Also: Hallo Welt! Winke, winke. Bestaunt Streitdorf, seine original Altbäuerinnen und Hochspannungsmasten.
Viele Leute kommen nicht vorbei. Eigentlich nur, wenn sie mit dem Rad nach Bruderndorf abbiegen, oder mit einem Kind an der Hand die Pferde füttern. Aber da man hierzulande nicht oft Jemanden mit Staffelei im Gras stehen sieht, kommt man neugierig näher. „Na; Naaa! Was is’n das? Na, das Tor? Jaa maln sie das Tor? Ja warum denn das Tor?“ Ja, warum eigentlich das Tor? Dieses Rätsel wird wohl nie gelöst werden. Ich glaube das Malen von Fußballtoren in der Umgebung war der Anfang einer langen Serie von Abbildungen unserer „neuen“ Heimat hier in Streitdorf, und ihrer Umgebung. Nach den vier Jahren hier ist ja eine beachtliche Sammlung zusammengekommen: verschiedene Ansichten unserer Gasse mit dem Bachbett des Senningbaches und seinen Brücken, die Hallen der ansässigen Bauern vor blühenden Rapsfeldern, Stommasten aus der Gegend, die im seltsam grellen Licht eines Weinviertler Sonnenuntergangs ein wenig ausserirdisch wirken.
Meine Mutter versuchte auf eine etwas andere Art ein Bild unserer Nachbarschaft zu erzeugen. Zitat: „Streitdorf hat so viele erstaunliche Persönlichkeiten, man muss sie doch irgendwie verewigen.“ Und sie verewigte die wichtigsten und eindrucksvollsten Personen dieser Gegend in strahlenden Farben und ihren ehrenhaften Zügen. Unter anderen den „Oiden Bachl“, die „Zeisl Oma“ und „den anderen Bachl“.
Zu Hause strahlt bereits die blau-weiß-gepunktelte Gartenschürze unserer Nachbarin von der Staffelei. Meine Mutter ärgert sich über die Hände, die irgendwie noch nicht ganz passend neben der kleinen Nadine hängen, die mit leicht abwesendem Blick neben ihrer Großmutter steht. Das pinke Barbie-T-shirt harmoniert mit dem fetten, rotgesichtigen Gartenzwerg im Hintergrund, zu einem eigenwilligen Charme. Ich sage, dass Frau Zeisel so naturgetreu wie nur irgend möglich ausschaut, und dass mir dass Bild gefällt. Ob die Zeisel Oma auch weiß, dass sie in nächster Zeit auf der Wand einer Ausstellung zu sehen sein wird? Meine Mutter: „natürlich nicht!“
Auch mag ich das Bild „Windräder bei Leitzersdorf“. Manche Leute finden Windräder ja hässlich, aber ich nicht. Sie vermitteln irgendwie den Eindruck von Unendlichkeit. Dünne zarte Grashalmen, Felder, die Sonne, wie sie durch die Wolken bricht.. Und dann, in der Ferne die Windräder. Zeugen der umweltfreundlichen Energie. Wie sie sich immer weiter und weiter und weiter drehen. Wie sie eines nach dem anderen in einer langen Reihe nebeneinander stehen und so den Blick auf einen blauen Hügel lenken, der, vielleicht, der Michelberg sein könnte. Vielleicht zeigt dieses Bild auch eine Gewitterstimmung. Auf jeden Fall sieht es bewegt aus. Mit den, im Wind flatternden Grashalme, und den, sich im Wind drehenden Windrädern, und den, vom Wind zerrissenen Wolken. Oder es soll einfach die Straße nach Niederfellabrunn in ein neues Licht rücken, wer weiß?
Es soll auch einmal bemerkt werden, was für poetische Titel all diese Werke tragen. „Pepschs Halle“, „Teich bei Bruderndorf“, „Schweinestall bei Streitdorf“, “Schweinestall bei Streitdorf 2“ oder gar „Gasstation Streitdorf“. Was ich sagen will ist: An was denkt man denn schon bei „Schweinestall“ und „Gasstation“ und „Streitdorf“. Vermutlich an ein trauriges, kleines Dorf und so etwas uncharmantes wie eine „Gasstation“ und einen Schweinestall mit Schweinen und Schweinekacke und Matsch. Wir wollen Herrn Krön danken, dass er uns eines Besseren belehrt und all diese Begriffe so friedlich und träumerisch darstellt, wie noch nie dagewesen. Und wir wollen den Bauern danken, die so schöne Schweineställe und Silos errichtet haben - denn, was täten wir nur ohne sie?
Bestimmt haben meine Eltern eine ganz neue Art von Landschafts- und Portraitmalerei entwickelt. Ich weiß nicht ob man sie wirklich intepretieren kann, ich jedenfalls, kann es nicht.
aus dem Katalog von 2009:
Die Bilder von Markus Krön sind Briefe eines Verliebten, der sich seiner Angebeteten nicht offenbart. So zeigt diese sich ihm völlig unbefangen in ihrem alltäglichen Gewand, ohne Spiel, ohne Verstellung.
2008 „Abbildungen der tatsächlichen Gegebenheiten in Streitdorf“ in der Galerie unart, Villach
„Länderspiel“ Museum Moderner Kunst Kärnten; „Fussballplätze“ Vienna Stripe, Fensterflächen am Naschmarkt nach einem Konzept von museum in progress, museum in progress, Wien
2007 „Baby Body“ Kunsthalle Darmstadt, Deutschland
„Ansichten der Stadt Salzburg“ Kunstbuch, Lithografien im Verlag Neuhauser Kunstmühle, Salzburg
„Ausgewählte Druckgrafik“ Galerie Heike Curtze, Wien
„ARCO“ Kunstmesse in Madrid, „VIENNAFAIR“ bei der Galerie Heike Curtze
2006 „Aus der Provinz“Einzelausstellung in der Galerie Heike Curtze Berlin, Deutschland
2005 Einzelausstellung im STRABAG Kunst Forum; Anerkennungspreis des STRABAG artaward;
„Landschaften“ Einzelausstellung in der Galerie unart, Kärnten
2004 „sweet home“ Einzelausstellung in der Galerie Alcratras;
Assistenz bei Donald Baechler, Internationale Salzburger Sommerakademie für Bildende Kunst
„neue Idyllen“ Einzelausstellung, Galerie Heike Curtze & Management Club,
2003 „die letzten Baugründe – eine Apotheose Oberösterreichs“, Einzelausstellung in der Galerie Heike Curtze
2002 Anerkennungspreis Faistauerpreis 2002, Galerie im Traklhaus,
„Bilder aus der Stadt“, Lu Xun Academy of Fine Arts, Shenyang, VR China,
Künstleraustausch mit der VR China, Bundesstipendium
„Der Blick auf Wien – Topografie und Wahrnehmung“, Museum auf Abruf, Prag und Wien;
2001 "laß jubelnd dich grüßen" Einzelausstellung in der Galerie der Stadt Salzburg und in der Galerie unart, Villach
2000 "einkochen und anbraten", eine Essens-Kunst-Performance in der wienstation und im Künstlerhaus Wien
1999 "Furcht und Schrecken des Alpenvorlandes", Einzelausstellung in der Galerie Alte Schmiede, Wien
artaward 2005, STRABAG Kunstforum, aus dem Katalog "Furcht und Schrecken des Alpenvorlandes", Mechthild Widrich (Auszug)
Schlichte Landschaften die von einer banalen Alltäglichkeit erzählen, Blicke, die man im Allgemeinen schnell wieder vergisst. In Bilder gebannt offenbaren sie uns aber eine Realität, verursachen ein Echo in unseren Erinnerungen, dass zumeist jenseits des einfach benennbaren liegt und eröffnen uns eine neue Dimension des Betrachtens und Erinnerns, wenn wir so durch die Landschaft gehen. Krön ist nicht an der Dekonstruktion einer überlieferten Heimatidylle interessiert. Es geht ihm nicht um die Anklage der Zerstörung der Natur im Sinne einer Modernisierungskritik. Krön schafft eine ganz eigene und eigentümliche Form einer spröden Vertrautheit, in die letztlich eine fast mythische Sehnsucht eingewoben ist.
Die manchmal ironische-distanzierte wirkende Überhöhung zeigt sich auch in den als "Nymphen" bezeichnete nackte Wesen, die mit einem ästhetischen Überrumpelungseffekt in den Bildern auftauchen.
Kunsthistorisch gesehen stehen diese Naturgöttinnen typischerweise für die Verbindung zwischen Mensch und Natur, die Fruchtbarkeit und die gängige Gleichsetzung von Frau mit Ursprünglichkeit im Gegensatz zur Kultur. Viele der gezeigten Frauen sind hochschwanger, was vorangegangene Aussagen noch zusätzlich stützen könnte, aber, sie sind im Gegensatz zu ihren bescheiden zwischen Büschen kauernden oder fröhlich im Reigen tanzenden Vorbildern sehr prominent in den Vordergrund gesetzte diesseitige Frauenfiguren, Halbwesen, vom Rande der Zivilisation, die teilnahmslos oder distanziert betrachtend zwischen Wohnblöcken, unter Straßenbrücken oder auf Autobahnen in die Idyllen eintreten.
Krön hat eine eigene, moderne Form der Idylle gefunden, in der Zeitlichkeit, Geschichte und Veränderung nicht mehr ausgeblendet werden.
lass jubelnd dich grüßen, Heimatbilder; Ausstellung in der Galerie der Stadt Salzburg im Mirabellgarten, Hiltrud Oman, 2001
Der in Wien lebende Salzburger Maler Markus Krön zeigt in der Galerie der Stadt Salzburg eine umfassende Serie von "Heimatbildern". Groß- und kleinformatige Gemälde mögen im ersten Moment an den Blick auf nahe und ferne Landschaften durch entsprechende Kameraeinstellungen erinnern. Allerdings haben sie mit dem heute vieldiskutierten Foto-Diskurs in der Malerei nur periphär zu tun.
Krön hält Eindrücke fest, in denen Schönheit, raue Ursprünglichkeit und Stille der Natur widergespiegelt werden. Wesentlich dabei sind Spuren und Zeichen des Menschen, die er in Form von Architekturen in die Landschaft setzt. Erst dadurch erhält ein Landstrich seinen zeitgemäßen Charakter. Dies hat aber zur Folge, daß die geologischen und klimatischen Vorbedingungen eines ins Auge gefassten irdenen Flecks in den Hintergrund gedrängt werden und der romatisierende Aspekt , der auf ein Urverständnis von Natur zurückgeht, entfällt.
Der Maler bringt seiner Heimatstadt und ihrer Umgebung ein warmes Gefühl entgegen, wobei er sich weder zu ihrer Idealisierung noch zu Grenzziehungen zwischen Natur und Zivilisation hinreißen lässt. Markus Kröns Bergbilder zeugen davon, daß er die Alpenromantik nicht unbedingt verherrlicht; andererseits verstehen sich aber eine Reihe von Ansichtsbildern auch nicht als Anklagen über etwaige bautechnische Verunstaltungen der ohnehin vom Menschen ihres Ursprungs enthobenen Landschaft. Wie nüchtern er davon Notiz nimmt, das erklären teils das kühl gehaltene Kolorit, teils auch das Zurücknehmen seiner malerischen Handschrift.
Auf ganz ehrliche Weise scheut er nicht einmal davor zurück, einen Landschaftsausschnitt von der Straße oder direkt vom Auto aus ins Visier zu nehmen. Doch selbst von diesem - für viele ein zu verwerfender - Standpunkt, vermag der Maler Krön, hier in der Rolle des Ich-Erzählers, jenen einen Augenblick der Stille, des Träumerischen, des Sehnsüchtigen einzufangen; den bestimmten Moment, der einen meist dann überkommt, wenn man in der Heimat mit den Augen des bereits Distanzierten umherkurvt und mit vertrauter Vergangenheit und bewußt anders gewählter Gegenwart Frieden schließt.
Furcht und Schrecken des Alpenvorlandes, Wolfgang Schneider, Beatrix Zobl, 1999
Wo man hobelt fallen Späne. Während der Eiszeit wurden die Vorlandtäler der Alpenflüsse von den riesigen Gletschern ausgehobelt. Auf einer alten Postkarte steht geschrieben: Liebe Martha! Wir sind seit drei Tagen in Salzburg. Es regnet ununterbrochen. Also sitzen wir in Gasthäusern und trinken das herrliche Bier. Die Alpen üben u.a. auch klimat. eine Fernwirkung auf ihr nördl. Vorland aus. Eine der wichtigsten Erscheinungen ist dabei der Feuchtigkeitsstau hpts. der sommerl. von NW kommenden atlant. Luftzufuhren.
Markus Krön sagt: Thujenhecken, Schallschutzwände, Einfamilienhäuser, Silos usw. betrachte ich vor allem als menschliche Zeichen in der Landschaft. Alles befindet sich an dem von Menschen bestimment Ort. Jeder Baum, jedes Feld und natürlich der Verlauf der Straßen, der Dorferweiterungsgebiete und Lagerhäuser sind ein Ausdruck der Menschen die hier leben.
Der Maler sucht nach den visuellen Qualitäten dieser Heimat, oder beser: nach den Gefühlen, die bei deren Betrachtung ausgelöst werden. Diese Eindrücke, über viele Jahre eingedrückt in unser Unbewußtes und Bewußtes, konzentriert Krön in den Ausschnitten, die er für seine Bilder wählt.





